Kurzfassung
Sterile Kompressen können bei frischen, postoperativen oder infektionskritischen Wunden sowie bei aseptischer Versorgung eingesetzt werden. Unsterile Kompressen können abhängig von Zweckbestimmung und Herstellerangaben, unter anderem zur Hautreinigung, zum Polstern, als Sekundärverband und bei einzelnen Produkten auch als Primärverband bei kleineren Verletzungen eingesetzt werden.
Was ist der Unterschied zwischen sterilen und unsterilen Kompressen?
Sterile Kompressen werden steril verpackt bereitgestellt und sind für Anwendungen vorgesehen, bei denen eine sterile Wundauflage erforderlich ist. Vor der Anwendung sollten Verpackungsintegrität und Herstellerangaben geprüft werden.
Unsterile Kompressen sind nicht steril verpackt. „Unsteril“ bedeutet jedoch nicht automatisch „nur für gesunde Haut“: Entscheidend sind die Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung des konkreten Produkts. HARTMANN gibt bestimmte unsterile ES-Kompressen beispielsweise auch als Primärverband bei kleineren Verletzungen an. [1]
Wann brauche ich sterile Kompressen?
Sterile Kompressen können sinnvoll sein bei:
- frischen offenen Wunden und Schnittverletzungen mit direktem Wundkontakt
- postoperativen Wunden und frischen chirurgischen Zugängen
- Drainagen, Tracheostomien sowie Katheter- oder Sondenaustrittsstellen
- tieferen oder größeren Verletzungen
- Wunden mit erhöhtem Infektionsrisiko
- Situationen, in denen eine aseptische Wundversorgung vorgesehen ist
In der prähospitalen Versorgung Schwerverletzter empfiehlt die AWMF-Leitlinie, offene Wunden steril zu verbinden. Für die Routineversorgung gilt zusätzlich: Die konkrete Wundsituation, die Zweckbestimmung des Produkts und medizinische Anweisungen sind zu berücksichtigen. [3]
Wann reichen unsterile Kompressen?
Unsterile Kompressen können für das Folgende geeignet sein:
- zur Reinigung intakter Haut
- zum Aufnehmen von Flüssigkeit außerhalb des direkten sterilen Wundkontakts
- als Polsterung oder Schutzlage
- als Sekundärverband, sofern das jeweilige Produkt dafür vorgesehen ist
- als Träger für äußerlich anzuwendende Präparate, wenn die Gebrauchsanweisung dies zulässt
Bei kleinen oberflächlichen Verletzungen muss nicht jede unsterile Kompresse grundsätzlich ausgeschlossen werden. HARTMANN nennt unsterile ES-Kompressen ausdrücklich als Primärverband bei kleineren Verletzungen sowie als Sekundärverband bei akuten und chronischen Wunden. Entscheidend sind daher die konkrete Wundsituation und die Zweckbestimmung des jeweiligen Produkts. [1]
Steril oder unsteril: Welche Kompresse für welchen Zweck?
| Situation / Anwendung | Steril oder unsteril? | Passende Kompressen | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Frische offene Wunde | Steril bevorzugt | HARTMANN Medicomp steril | Für direkten Wundkontakt sterile Kompresse verwenden. [2,3] |
| Postoperative Wunde | Steril | HARTMANN Medicomp steril | Sterile Kompresse entsprechend Wundsituation und medizinischer Vorgabe verwenden. [2] |
| Chronische Wunde mit direktem Wundkontakt | Produkt- und wundabhängig | HARTMANN Medicomp steril | Individuelles Wundkonzept und Zweckbestimmung beachten. [2] |
| Intakte Haut reinigen | Unsteril ausreichend | HARTMANN ES Kompressen unsteril / Medicomp unsteril | Unsterile Kompressen können für die Reinigung intakter Haut eingesetzt werden. [1,2] |
| Polsterung / Sekundärverband | Unsteril möglich | HARTMANN ES Kompressen unsteril / Medicomp unsteril | Nach Verbandaufbau und Zweckbestimmung auswählen. [1,2] |
| Kleinere Verletzungen | Produktabhängig | HARTMANN ES Kompressen unsteril | Laut Hersteller auch als Primärverband bei kleineren Verletzungen vorgesehen. [1] |
| Drainage / Tracheostoma | Steril | L&R Metalline Kompressen | Sterile Spezialkompresse entsprechend Zweckbestimmung verwenden. [6] |
Wie wende ich sterile Kompressen richtig an?
- Hände vorbereiten: Vor der Wundversorgung Hände hygienisch desinfizieren beziehungsweise gemäß dem vorgesehenen Hygienestandard vorbereiten.
- Material vorbereiten: Benötigte Materialien vollständig bereitlegen, bevor die sterile Verpackung geöffnet wird.
- Verpackung unmittelbar vor Gebrauch öffnen: Die sterile Kompresse erst kurz vor der Anwendung aus der Verpackung entnehmen.
- Sterile Fläche nicht berühren: Die wundzugewandte Seite der Kompresse möglichst nicht mit Fingern oder unsterilen Gegenständen berühren.
- Verband sachgerecht wechseln: Durchfeuchtete, verschmutzte oder gelöste Verbände entsprechend Wundzustand und medizinischer Vorgabe wechseln. Einmalprodukte nicht wiederverwenden. [5]
Wann sollte eine Wunde ärztlich beurteilt werden?
Ärztliche Abklärung ist insbesondere bei tiefen, klaffenden, stark verschmutzten oder stark blutenden Wunden, Biss- und Stichverletzungen, zunehmender Rötung, Schwellung, Schmerzen, Eiter, Fieber sowie bei problematischer Wundheilung sinnvoll. Auch der Tetanus-Impfschutz sollte bei Verletzungen geprüft werden. [7]
Fazit: Welche Kompresse ist die richtige?
Für frische, postoperative oder infektionskritische Wunden sowie für Anwendungen, bei denen eine sterile Wundversorgung vorgesehen ist, können sterile Kompressen zum Einsatz kommen. Unsterile Kompressen können je nach Zweckbestimmung beispielsweise zur Hautreinigung, Polsterung oder als Sekundärverband verwendet werden. Einzelne Produkte sind laut Hersteller auch als Primärverband bei kleineren Verletzungen vorgesehen. Entscheidend sind die konkrete Wundsituation, die Funktion im Verband und die Zweckbestimmung des jeweiligen Produkts. [1–3]
Quellen
[1] PAUL HARTMANN AG: ES-Kompressen. Herstellerinformationen zu sterilen und unsterilen Varianten, Zweckbestimmung und Einsatz als Primärverband bei kleineren Verletzungen bzw. Sekundärverband bei akuten und chronischen Wunden. Letzter Abruf: 29.09.2026.
[2] PAUL HARTMANN AG: Medicomp® Vlieskompressen. Herstellerinformationen zu sterilen und unsterilen Varianten sowie zu Anwendungsbereichen als Primär- und Sekundärwundauflage und zur Hautreinigung. Letzter Abruf: 29.09.2026.
[3] AWMF: S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung. Empfehlung zur sterilen Abdeckung offener Wunden in der prähospitalen Versorgung Schwerverletzter. AWMF-Registernummer 187-023. Letzter Abruf: 29.09.2026.
[4] DocMed GmbH: Produktinformationen zu HARTMANN ES-Kompressen unsteril, Medicomp Vlieskompressen sowie Metalline Drain- und Tracheo-Kompressen. Verwendet zur Prüfung der im Beitrag genannten Sortimentsprodukte. Letzter Abruf: 29.09.2026.
[5] DRACO / Dr. Ausbüttel & Co. GmbH: Hygienemaßnahmen bei der Versorgung chronischer Wunden. Hinweise zu Händedesinfektion, Non-Touch-Technik, sterilen Instrumenten und Wundauflagen sowie zum hygienischen Verbandwechsel. Aktualisiert 17.07.2026; letzter Abruf: 29.09.2026.
[6] Lohmann & Rauscher GmbH & Co. KG: Metalline® Kompressen. Herstellerinformationen zu sterilen Metalline Drain- und Tracheo-Kompressen; Zweckbestimmung bei eingeführten Schläuchen oder Kanülen sowie Angaben zur Exsudataufnahme und Verringerung der Wundverklebung. Letzter Abruf: 29.09.2026.
[7] Robert Koch-Institut / Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der STIKO 2026 sowie Informationen zur Tetanus-Impfung. Grundlage für den Hinweis zur Überprüfung des Tetanus-Impfschutzes und zur postexpositionellen Tetanus-Immunprophylaxe nach Verletzungen. Letzter Abruf: 29.09.2026.

















